Metrik
AHI — Apnoe-Hypopnoe-Index
Anzahl Atemstillstände + flacher Atemphasen pro Stunde Schlaf. Klassifikation: AHI < 5 = normal. 5–15 = leichte OSA. 15–30 = mittelschwer. > 30 = schwer. Bei AHI > 30 ist CPAP-Therapie meist indiziert.
Bei AHI 30 hat man 30× pro Stunde Atem-Aussetzer — das zerstört die Schlaf-Architektur völlig. Standard-Diagnose: Polysomnographie oder home-PSG.
Verwandte Begriffe
Atmung
Apnoe
Vollständiger Atemstillstand > 10 Sekunden im Schlaf. Bei OSA: kollabiert die Atemwege durch erschlafften Rachenmuskel. Bei zentraler Apnoe: Atemkommando aus dem Hirnstamm fehlt vorübergehend.
Bei jeder Apnoe sinkt der Sauerstoff im Blut — Mikro-Erwachen (Arousal) folgt. Patienten mit AHI 30+ haben tausende Arousals pro Nacht.
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Medikament
Benzodiazepine
Klassische Schlaftabletten (Diazepam, Lorazepam, Temazepam). Wirken am GABA-A-Rezeptor — beruhigend und schlafanstossend. Aber: hohe Abhängigkeit, REM-Suppression, Sturzrisiko bei Senioren.
Heutige Empfehlung: max. 2–4 Wochen bei akuter Krise. Niemals als Dauerlösung. Z-Drugs (Zolpidem) sind etwas günstiger im Profil, aber prinzipiell ähnlich.
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Parasomnie
Bruxismus (Zähneknirschen)
Unbewusstes Zähneknirschen im Schlaf — meist in N2-Phase. Ursachen: Stress, Bissfehlstellungen, Medikamente, Alkohol. Folgen: Zahnschäden, Kiefergelenk-Schmerzen, Kopfschmerzen.
Therapie: Aufbiss-Schiene vom Zahnarzt (CHF 200–500), Stress-Management, in schweren Fällen Botox. Schweizer Zahnärzte verschreiben routinemässig.
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Therapie
CBT-I — Cognitive Behavioral Therapy for Insomnia
Goldstandard zur Insomnie-Behandlung — empfohlen von AASM (2017), NICE (2022) und ESRS als Erstlinien-Therapie vor Medikamenten. Komponenten: Stimulus-Kontrolle, Sleep-Restriction, Hygiene-Edukation, Entspannung, kognitive Umstrukturierung.
70–80 % der chronischen Insomnie-Patienten profitieren langfristig (van Straten et al. 2018). Dauer: 6–8 Sitzungen. Digital via Somnio (Krankenkasse), klassisch beim Psychotherapeuten.
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Therapie
CPAP / APAP / BiPAP
Continuous Positive Airway Pressure — Maske mit kontinuierlichem Überdruck hält die Atemwege offen. Standard-Therapie bei mittlerer/schwerer OSA. APAP passt den Druck dynamisch an, BiPAP für komplexere Fälle.
Top-Geräte 2026: ResMed AirSense 11, Philips DreamStation 2. Kosten: CHF 1.200–2.500, Krankenkasse erstattet bei nachgewiesener OSA. −60 % Herzinfarkt-Risiko über 10 Jahre (Marin 2005).
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Versorgung
DiGA — Digitale Gesundheitsanwendung
Krankenkassen-zugelassene Apps. In Deutschland seit 2020, in der Schweiz seit 2024 für Somnio. Voraussetzung: klinische Studien zeigen Wirksamkeit. Rezept vom Arzt, Krankenkasse zahlt.
Für Insomnie-CBT-I in CH: Somnio (entwickelt mit USZ + Universität Bern). Andere DiGAs: Mindable (Angst), Selfapy (Depression).
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Test
Epworth Sleepiness Scale (ESS)
8-Fragen-Test zur Tagesmüdigkeit. Skala 0–24. ESS > 10 = pathologische Tagesmüdigkeit. ESS > 15 = schwere Müdigkeit, Hinweis auf OSA oder Narkolepsie. Wird in jedem Schlaflabor verwendet.
Fragen: Wie wahrscheinlich schlafen Sie ein beim Lesen / Fernsehen / als Beifahrer / im Gespräch / nach dem Essen / Sitzung / im Auto an roter Ampel? Online verfügbar.
Verwandte Begriffe
Atmung
Hypopnoe
Reduktion des Atemflusses um > 30 % über mindestens 10 Sekunden, mit Abfall der Sauerstoffsättigung. Quasi „Atemflachstellung". Wird im AHI gleichwertig mit Apnoe gezählt.
Ursachen ähnlich wie Apnoe: erschlaffte Rachenmuskulatur, Übergewicht, anatomische Engstellen. Auch durch CPAP behandelt.
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Standard
ICSD-3
International Classification of Sleep Disorders, 3. Auflage (AASM, 2014, Update 2024). Listet > 80 Schlafstörungen in 7 Kategorien: Insomnie, schlafbezogene Atmungsstörungen, Hypersomnien, zirkadiane Rhythmusstörungen, Parasomnien, schlafbezogene Bewegungsstörungen, andere.
Goldstandard für klinische Diagnose. Alle Schweizer Schlaflabore arbeiten nach ICSD-3-Kriterien.
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Störung
Insomnie
Ein- oder Durchschlafstörung nach ICSD-3: > 3 Nächte/Woche, > 3 Monate, mit Tagesbeeinträchtigung. Häufigste Schlafstörung: 10–15 % chronisch, 30 % gelegentlich. Frauen 1,5× häufiger als Männer.
Erstlinien-Therapie: CBT-I, NICHT Schlaftabletten. Bei Begleitdepression: Kombination mit Psychotherapie. Bei chronischem Verlauf: Schlafmedizin/Sleep-Coach.
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Symptom
Kataplexie
Plötzlicher Muskeltonusverlust ohne Bewusstseinsverlust, ausgelöst durch starke Emotionen (Lachen, Überraschung, Wut). Kernsymptom der Narkolepsie Typ 1. Dauer: Sekunden bis 1 Minute.
Häufige Auslöser-Liste: Witz hören, sich freuen, sich ärgern, Sex. Ursache: REM-typische Muskelatonie „bricht" ins Wachsein durch (durch Orexin/Hypocretin-Mangel).
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Diagnostik
MSLT — Multiple Sleep Latency Test
Tagesschlaftest nach einer Schlaflabor-Nacht. 5× im Abstand von 2 h darf der Patient für 20 min einschlafen — gemessen wird, wie schnell er einschläft und ob er in REM gelangt.
Mittlere Einschlafzeit < 8 min + > 2 SOREM-Phasen (REM in < 15 min) = Narkolepsie. Standard zur Narkolepsie-Diagnose, sehr aufwändig.
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Störung
Narkolepsie
Seltene neurologische Erkrankung (0,02–0,05 % Prävalenz). Hauptsymptome: imperative Tagesschlafanfälle, Kataplexie, Schlaflähmung, hypnagoge Halluzinationen. Ursache: Orexin/Hypocretin-Mangel im Hypothalamus (autoimmun).
Therapie lebenslang: Modafinil, Pitolisant (tagsüber wachhaltend), Natriumoxybat (Konsolidierung). Diagnose: MSLT + Liquor-Hypocretin. Schweizer Spezialisten: USZ, Inselspital.
Verwandte Begriffe
Störung
OSA — Obstruktive Schlafapnoe
Wiederholte Atemstillstände im Schlaf durch Verschluss der oberen Atemwege. Prävalenz: 10–25 % Männer, 5–15 % Frauen. Risikofaktoren: Übergewicht, dicker Hals (> 43 cm Männer), Alkohol, Schlafmittel.
Folgen unbehandelt: doppeltes Herzinfarkt-/Schlaganfall-Risiko, Diabetes, Depression, Konzentrationsstörungen, Verkehrsunfälle. Therapie: CPAP, Gewichtsreduktion, in seltenen Fällen Operation.
Verwandte Begriffe
Störung
Parasomnien
Anomale Verhaltensweisen im Schlaf — z. B. Schlafwandeln (Somnambulismus), Pavor nocturnus (Nachtschreck), Schlafsprechen, Bruxismus, RBD. Häufig bei Kindern (10–20 %), seltener bei Erwachsenen (1–4 %).
Meistens harmlos und selbstlimitierend. Aber: RBD ist klinisch relevant (Parkinson-Marker), Schlafwandeln im Erwachsenenalter kann gefährlich werden (Verletzungen).
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Diagnostik
Polysomnographie (PSG)
Goldstandard der Schlafdiagnostik — 1 Nacht im Schlaflabor mit EEG, EOG, EMG, EKG, Atemfluss, Atembewegung, SpO₂, Beinbewegung. Erkennt alle Schlafstörungen objektiv.
Schweizer Schlaflabore: USZ Zürich, Inselspital Bern, CHUV Lausanne, Klinik Barmelweid, USB Basel. Kosten: CHF 1.500–2.500. Krankenkasse zahlt bei medizinischer Indikation. Wartezeit: 4–8 Wochen.
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Störung
RBD — REM-Verhaltensstörung
Im REM-Schlaf fehlt die normale Muskelatonie — Patienten agieren ihre Träume aus (schlagen, schreien, springen). 0,5–1 % der Bevölkerung, Männer 50+ am häufigsten. Klinisches Warnsignal!
80 % der RBD-Patienten entwickeln in 10–20 Jahren eine alpha-Synukleinopathie (Parkinson, Lewy-Body-Demenz). Frühe Abklärung wichtig: Schlaflabor + Neurologie.
Verwandte Begriffe
Störung
RLS — Restless Legs Syndrom
Unangenehme Beinunruhe in Ruhephasen (vor dem Schlafen), Besserung durch Bewegung. Prävalenz: 5–10 %. Frauen 2× häufiger. Häufig in der Schwangerschaft.
Erste Therapie: Eisenmangel ausschliessen (Ferritin < 75 ng/ml behandeln). Bei Persistenz: Dopaminagonisten (Pramipexol, Ropinirol). NICHT mit Schlaftabletten behandeln.
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Parasomnie
Schlafwandeln (Somnambulismus)
Komplexe Verhaltensweisen aus dem Tiefschlaf (N3) — Aufstehen, Gehen, manchmal Essen oder Sprechen, ohne Erinnerung. 17 % der Kinder, 1–4 % der Erwachsenen. Genetisch (DQB1*05-Variante).
Bei Erwachsenen: Sicherheits-Massnahmen (Türen abschliessen, gefährliche Gegenstände wegräumen), Stress reduzieren, in schweren Fällen Medikamente. Auslöser: Schlafmangel, Stress, Alkohol, Fieber.
Verwandte Begriffe
Organisation
SGSSC — Schweizerische Gesellschaft für Schlafforschung
Schweizer Dachverband für Schlafmedizin. Zertifiziert Therapeuten und Schlaflabore. Liefert Patienten-Verzeichnisse, Fortbildungen für Ärzte und Konsens-Empfehlungen. Website: sgssc-sssss.ch.
Patienten-Hotline und Therapeuten-Suche kostenlos. Wichtigste Anlaufstelle in CH neben Hausarzt.
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Therapie
Sleep-Restriction-Therapy (SRT)
Kernmodul der CBT-I. Bettzeit wird kontrolliert verkürzt (z. B. auf 6 h), um Schlafdruck aufzubauen. Wirkung: Einschlaflatenz und nächtliche Wachphasen reduzieren sich schnell. Bettzeit wird wöchentlich um 15 min erweitert.
Sehr wirksam (Spielman-Methode, seit 1987 evidenzbasiert). Erste 2 Wochen hart (Tagesmüdigkeit). Unter therapeutischer Begleitung — nicht allein experimentieren.
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App
Somnio
Digitale CBT-I-App entwickelt mit Universität Bern und USZ. Seit 2024 von Schweizer Krankenkassen als DiGA anerkannt — Rezept vom Arzt, Kasse zahlt. 6-Wochen-Programm mit allen CBT-I-Komponenten.
Wirkungs-Studie (Lorenz et al. 2019): 60 % der Nutzer signifikante Verbesserung der Schlaf-Effizienz nach 6 Wochen. Die mit Abstand etablierteste CBT-I-App in der Schweiz.
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Symptom
Schnarchen
Vibrationen der erschlafften Rachen-/Gaumengewebe beim Atmen. 40 % Männer, 25 % Frauen. Allein nicht behandlungsbedürftig — aber kann Vorbote von OSA sein, vor allem mit Atemaussetzern und Tagesmüdigkeit.
Apps wie Sleep Cycle und SnoreLab zeichnen Schnarchen via Mikrofon auf. Lautstärke > 50 dB ist Hinweis auf OSA. Behandlung: Seitenlage, Gewichtsreduktion, Alkohol-Verzicht, ggf. CPAP.
Verwandte Begriffe
Therapie
UAS — Upper Airway Stimulation (Inspire)
Implantierbarer Schrittmacher für die Zunge. Stimuliert den N. hypoglossus während des Schlafs — Zunge schiebt sich nach vorne, Atemwege bleiben offen. Alternative zu CPAP bei moderater OSA und CPAP-Unverträglichkeit.
Indikation: AHI 15–65, BMI < 32, keine kompletter Kollaps. OP ca. CHF 25.000, in CH seit 2018 verfügbar. Wirksamkeit: 65–70 % AHI-Reduktion über 5 Jahre.
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Medikament
Z-Drugs
Zolpidem, Zopiclon, Zaleplon — neuere Schlafmittel, die ähnlich wie Benzodiazepine am GABA-Rezeptor wirken, aber spezifischer. Geringeres Abhängigkeitsrisiko als Benzo, aber nicht null.
Anwendung: max. 2–4 Wochen, sonst Toleranz und Abhängigkeit. Nicht für ältere Patienten (Sturzrisiko). Nicht als Ersatz für CBT-I bei chronischer Insomnie.
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