Standard
AASM — American Academy of Sleep Medicine
Globale Fachgesellschaft für Schlafmedizin. Veröffentlicht das offizielle AASM Scoring Manual, nach dem Schlafphasen weltweit klassifiziert werden — N1, N2, N3 (statt früher N3 + N4) und REM. Letzte Version: 2024.
Alle Schweizer Schlaflabore (USZ, Inselspital, CHUV) arbeiten nach AASM-Kriterien. Auch Wearable-Hersteller wie Whoop und Oura orientieren sich am AASM-Standard. aasm.org
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Phänomen
Arousal (Mikro-Erwachen)
Kurze, unbewusste Aufwach-Reaktionen während des Schlafs (3–15 Sekunden). 5–15 Arousals pro Stunde sind normal. Bei Schlafapnoe-Patienten: 30+ pro Stunde — sie zerstören die Phasen-Architektur, obwohl der Patient sich nicht ans Aufwachen erinnert.
Häufige Auslöser: Schnarchen, Lärm (über 40 dB), Bewegung des Partners, Temperatur-Schwankungen, voller Magen. AHI (Apnoe-Hypopnoe-Index) misst klinisch die Arousal-Häufigkeit.
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Forschung
Aserinsky & Kleitman 1953
Die historische Entdeckung des REM-Schlafs. Eugene Aserinsky und Nathaniel Kleitman (University of Chicago) beobachteten 1953 erstmals systematisch die schnellen Augenbewegungen bei Schlafenden — und zeigten den Zusammenhang mit Träumen.
Veröffentlicht in Science 1953. Diese Arbeit gilt als Geburtsstunde der modernen Schlafforschung. Vor 1953 dachte man, Schlaf sei ein passiver, gleichförmiger Zustand. Heute wissen wir: Schlaf ist hochaktiv und strukturiert.
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Biochemie
Beta-Amyloid
Protein-Abfallprodukt im Gehirn, das tagsüber natürlich entsteht. Im Tiefschlaf wird Beta-Amyloid über das Glymphatic-System aus dem Gehirn gespült — der Liquor-Fluss steigt um 60 % (Xie et al., Science 2013).
Chronischer Schlafmangel führt zu Beta-Amyloid-Akkumulation — einem zentralen Faktor der Alzheimer-Entstehung. Eine Nacht mit nur 4 h Schlaf erhöht den Beta-Amyloid-Spiegel im Liquor schon nachweisbar (Shokri-Kojori 2018, PNAS).
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Hormon
CAR — Cortisol Awakening Response
Cortisol-Erwachens-Reaktion: 30–45 min nach dem Aufwachen steigt Cortisol um 50–60 % — natürlicher Wach-Trigger. Beginnt schon vor dem Wachwerden (3:00–6:00 Uhr) und ist Teil des gesunden Tagesrhythmus.
Bei chronischem Stress oder Burnout ist die CAR oft abgeflacht — Symptom: kein „Durchstarten" am Morgen möglich. Bei depressiven Episoden umgekehrt oft erhöht. Lichttherapie nach dem Aufwachen unterstützt die CAR.
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EEG
Delta-Wellen (0,5–4 Hz)
Langsame, hochamplitudige Hirnwellen — Kennzeichen des Tiefschlafs (N3). Je mehr Delta-Power, desto tiefer der Schlaf. EEG-basierte Wearables (z. B. Dreem-Stirnband) messen Delta-Aktivität direkt.
Mit dem Alter sinkt der Delta-Anteil deutlich: 20-Jährige haben 20–25 % N3, 70-Jährige nur noch 5–10 %. Eine wichtige Ursache der „Senioren-Erschöpfung" trotz langer Bettzeit.
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Messung
EEG — Elektroenzephalographie
Aufzeichnung der elektrischen Hirnaktivität über Elektroden auf der Kopfhaut. Hauptwerkzeug der Schlafstadien-Erkennung — Polysomnographie nutzt 6–8 EEG-Kanäle, Wearables wie Dreem oder Muse 2–4 Kanäle, Smartwatches gar keine.
EEG zeigt charakteristische Wellen pro Schlafphase: Beta (Wach), Alpha (Entspannt), Theta (N1/N2), K-Komplex und Schlafspindeln (N2), Delta (N3), Mischung mit Beta (REM).
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Messung
EMG — Elektromyographie
Messung der Muskel-Aktivität per Hautelektroden, meist am Kinn und an den Beinen. Wichtig zur REM-Erkennung: in REM ist die Muskulatur fast vollständig gelähmt (Atonie) — nur die Augenmuskeln und das Zwerchfell bewegen sich.
Bei REM-Verhaltensstörung fehlt diese Atonie — die Person agiert ihre Träume aus. Klinisches Warnsignal für spätere Parkinson- oder Lewy-Body-Demenz.
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Messung
EOG — Elektrookulographie
Messung der Augenbewegung per Elektroden seitlich der Augen. Erkennt die schnellen Augenbewegungen, die REM den Namen geben (Rapid Eye Movement). Pflichtbestandteil jeder Polysomnographie.
In N1 sind die Augenbewegungen langsam und gleitend. In REM ruckartig in allen Richtungen — passend zur erhöhten Hirnaktivität und Traumtätigkeit.
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Funktion
Gedächtnis-Konsolidierung
Im Schlaf werden Tages-Erlebnisse in das Langzeitgedächtnis übertragen. Deklaratives Wissen (Fakten, Worte) wird vor allem im N2 und N3 gefestigt — über Schlafspindeln und Hippocampus-Kortex-Dialog. Prozedurales Lernen (Bewegungs-Muster) festigt sich vor allem in REM.
Praxis: Wer für eine Prüfung lernt, sollte 7,5+ h schlafen — der Lernerfolg steigt 25–40 % gegenüber 5 h (Walker, „Why We Sleep" 2017). Nickerchen direkt nach dem Lernen verstärken die Konsolidierung zusätzlich.
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Anatomie
Glymphatic-System
„Lymphsystem" des Gehirns — entdeckt von Nedergaard 2013. Cerebrospinalflüssigkeit (Liquor) fliesst durch das Gehirn-Gewebe und spült Stoffwechselprodukte aus. Aktiv vor allem im Tiefschlaf: der Fluss steigt um 60 %.
Hauptaufgabe: Abbau von Beta-Amyloid und Tau-Proteinen (Alzheimer-relevant). Chronischer Schlafmangel = chronische Akkumulation = höheres Demenz-Risiko. Quelle: Xie et al., Science 2013.
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Hormon
GH — Wachstumshormon (Growth Hormone)
70 % des täglichen GH werden im Tiefschlaf ausgeschüttet (Van Cauter et al., Sleep 2000). Aufgaben: Muskelaufbau, Knochenstärkung, Fettstoffwechsel, Regeneration. Peak: erste 1,5–3 h der Nacht.
Schlafmangel oder fragmentierter Schlaf reduzieren GH dramatisch — direkter Effekt auf Muskelaufbau, Sport-Recovery und Anti-Aging. Praxis: konstante Schlafzeit + 18–19 °C Zimmer + kein Alkohol = optimaler GH-Peak.
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Visualisierung
Hypnogramm
Grafische Darstellung der Schlafphasen über die Nacht. X-Achse: Zeit. Y-Achse: Wach, REM, N1, N2, N3. Wearables wie Whoop und Oura zeigen das Hypnogramm in der Morning-App.
Typisches Muster: erste 3 h viel Tiefschlaf (N3 dominant), letzte 3 h viel REM. Auffälligkeiten wie zu kurze Zyklen, fehlender Tiefschlaf oder zu viele Wachphasen werden sofort sichtbar.
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EEG-Phänomen
K-Komplex
Hochamplitudige EEG-Welle (negativ-positiv, ca. 0,5–1 s) im N2-Schlaf. Mehrere Funktionen: Stabilisierung des Schlafs gegen externe Störungen + leichte Aktivierung des Gehirns zur Gedächtnis-Festigung.
K-Komplexe treten 30–60 mal pro Stunde N2 auf. Sie sind eines der charakteristischen Merkmale, mit denen Schlafmediziner N2 von N1 und N3 unterscheiden.
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Physiologie
Kerntemperatur-Drop
Die Körperkerntemperatur fällt im Schlaf um etwa 0,5 °C — Tiefpunkt um 04:00 Uhr. Dieser Drop ist DAS Signal für Tiefschlaf-Auslösung. Wer ihn unterstützt (18–19 °C Zimmer, warme Dusche vor Bett), schläft tiefer.
Eight Sleep Pod und ChiliPad steuern die Matratzen-Temperatur über die Nacht — kühl beim Einschlafen (Tiefschlaf-Boost) → leicht wärmer in der REM-Phase. Studien zeigen +20 % Tiefschlaf-Effizienz.
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Phasen
N1, N2, N3 — Die NREM-Phasen
N1 (Einschlafen, 5 %): Übergang vom Wach- zum Schlafzustand. Theta-Wellen, langsame Augenbewegungen. Sehr leicht zu wecken. N2 (Leichtschlaf, 45 %): Schlafspindeln + K-Komplexe. Bewusstsein abgeschaltet, Körperkerntemperatur sinkt. N3 (Tiefschlaf, 20 %): Delta-Wellen, schwer zu wecken. Wachstumshormon-Peak, Glymphatic-Reinigung.
Hinweis: Früher gab es N3 + N4 (beide Tiefschlaf). 2007 hat AASM die beiden zu „N3" zusammengefasst. Alte Lehrbücher zeigen noch 4 NREM-Stadien.
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Phasen
NREM — Non-REM-Schlaf
Sammelbegriff für N1 + N2 + N3. Macht 70–75 % der Nacht aus. Gegenstück zu REM. Im NREM: niedrige Hirnaktivität, niedrige Herzfrequenz, sinkende Kerntemperatur, regelmässige Atmung, keine Träume (oder nur fragmentierte).
Tiefschlaf (N3) ist die wichtigste NREM-Phase für körperliche Erholung. Bei Schlafmangel „rebounded" der Körper in der Erholungs-Nacht zuerst N3 — er hat höchste Priorität.
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Audio
Pink Noise
Frequenz-gleichmässig hörbares Rauschen (im Gegensatz zu White Noise mit höherem Hochton-Anteil). Studien (Papalambros et al., Front Hum Neurosci 2017) zeigen: Pink Noise synchronisiert mit Delta-Wellen → +25 % Tiefschlaf bei Senioren.
Apps: BetterSleep, Calm, Sleep Pillow. Lautstärke ca. 50–60 dB. Wichtig: Geräte mit 8-h-Loop ohne Werbe-Unterbrechung wählen. Auch Geräusche wie Regen oder Meeresrauschen wirken ähnlich.
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Diagnostik
Polysomnographie (PSG)
Goldstandard der Schlafmedizin. 1 Nacht im Schlaflabor mit EEG (6–8 Kanäle), EOG (Augen), EMG (Muskel), EKG, Atmungsmonitoring, SpO₂, Beinbewegung. Erstellt das exakte Hypnogramm.
Schweizer Schlaflabore: USZ Zürich, Inselspital Bern, CHUV Lausanne, Klinik Barmelweid (Aarau). Kosten: CHF 1.500–2.500, bei Verdacht auf Schlafstörung von Krankenkasse übernommen. Wartezeit: typisch 4–8 Wochen.
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Metrik
REM-Latenz
Zeit vom Einschlafen bis zur ersten REM-Phase. Normal: 70–110 min. Verkürzt (unter 50 min): Hinweis auf Depression oder Narkolepsie. Verlängert (über 130 min): mögliche Schlafmittel-Wirkung oder N3-Übergewicht durch starkes Schlafdefizit.
Bei Narkoleptikern kann die REM-Latenz unter 10 min liegen — sie fallen direkt in den REM. Wichtige diagnostische Grösse im Schlaflabor.
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Störung
REM-Verhaltensstörung (RBD)
Im REM-Schlaf fehlt die normale Muskel-Atonie — die Person agiert ihre Träume aus (schlagen, rufen, aus dem Bett springen). Häufigkeit: 0,5–1 % der Bevölkerung. Männer 50+ am häufigsten betroffen.
Wichtig: RBD ist ein klinisches Warnsignal — 80 % der Patienten entwickeln in 10–20 Jahren eine Parkinson- oder Lewy-Body-Demenz (Postuma 2019). Frühe Abklärung in Schlaflabor + neurologische Begleitung sinnvoll.
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Konzept
Schlafarchitektur
Die Struktur und Sequenz der Schlafphasen über die Nacht. Gesunde Architektur: 4–6 Zyklen, jeder mit N1 → N2 → N3 → N2 → REM. Zyklus 1+2 dominiert von N3, Zyklus 4+5 dominiert von REM.
Gestörte Architektur: zu viele Arousals, kein N3, zu kurze REM-Phasen, häufige Wachphasen. Sichtbar im Hypnogramm aus Wearable oder PSG.
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EEG-Phänomen
Schlafspindel
Kurze EEG-Bursts bei 12–14 Hz (Sigma-Frequenz), 0,5–2 s lang. Treten massiv in N2 auf — 200–1000 pro Nacht. Funktion: Schutz vor Aufwachen + zentraler Mechanismus der Gedächtnis-Konsolidierung.
Mehr Schlafspindeln korrelieren mit höherer Intelligenz und besserer Lernleistung (Fogel & Smith, Neurosci Biobehav Rev 2011). Mit dem Alter sinkt die Spindel-Dichte deutlich.
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Phase
SWS — Slow-Wave-Sleep (Tiefschlaf)
Identisch mit N3. Bezeichnung kommt von den langsamen Delta-Wellen (0,5–4 Hz) im EEG. Bei Senioren oft als „Slow-Wave-Activity (SWA)" quantifiziert, weil reine N3-Anteile schwer zu vergleichen sind.
SWS ist die wichtigste Phase für körperliche Erholung, Immun-Funktion, Glymphatic-Reinigung und GH-Ausschüttung. Optimierungs-Hebel: kühles Zimmer, kein Alkohol, Krafttraining tagsüber, Pink Noise (Senioren).
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EEG
Theta-Wellen (4–8 Hz)
Hirnwellen im Bereich 4–8 Hz — typisch für N1 und N2-Übergang. Auch im REM dominant (zusammen mit höherfrequenten Wellen). Kennzeichen für leichten, aber bewusstseinsfreien Zustand.
Theta-Wellen treten auch in tiefer Meditation oder im hypnotischen Zustand auf — interessant für die Forschung an Bewusstseinsschnittstellen. Apps wie Muse messen Theta-Anteile.
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