Inflammaging: Wenn stille Entzündung das Altern antreibt
Chronische Niedrig-Entzündung gilt als einer der zentralen Mechanismen des Alterns. Was hsCRP und IL-6 verraten – und was die Evidenz zu Gegenmassnahmen wirklich zeigt.
Was Inflammaging bedeutet
2000 prägten der Immunologe Claudio Franceschi und Kollegen den Begriff „Inflammaging“ – eine Wortschöpfung aus „Inflammation“ und „Aging“ (Franceschi et al., 2000).
Gemeint ist eine chronische, niedriggradige Entzündungsaktivität, die sich schleichend über Jahrzehnte aufbaut – ohne klassische Entzündungssymptome wie Fieber oder Schwellung, aber mit messbaren Folgen für Herzgesundheit, Stoffwechsel und Gehirn.
Die zentralen Biomarker: hsCRP und IL-6
Hochsensitives C-reaktives Protein (hsCRP) und Interleukin-6 (IL-6) sind die wichtigsten messbaren Indikatoren. Ridker und Kollegen zeigten, dass hsCRP kardiovaskuläre Ereignisse besser vorhersagt als LDL-Cholesterin allein (Ridker et al., 2000).
IL-6 – ein Botenstoff des Immunsystems – korreliert mit beschleunigtem funktionellen Abbau, Gebrechlichkeit und erhöhter Sterblichkeit im Alter (Ferrucci & Fabbri, 2018). Beide Werte lassen sich per Bluttest bestimmen.
Was Inflammaging antreibt
Viszeralfett ist einer der stärksten Treiber: Bauchfettzellen produzieren kontinuierlich proinflammatorische Zytokine. Hinzu kommen chronischer Stress, Schlafmangel, Rauchen und eine ballaststoffarme Ernährung – all das erhöht hsCRP und IL-6 messbar.
Auch das Mikrobiom spielt eine Rolle: Eine gestörte Darmbarriere kann Endotoxine ins Blut entlassen, die das Immunsystem dauerhaft niedrigschwellig aktivieren – ein Mechanismus, der zunehmend in der Inflammaging-Forschung diskutiert wird.
Was die Evidenz zu Gegenmassnahmen zeigt
Regelmässiger Ausdauersport und Krafttraining sind mit niedrigeren Entzündungsmarkern assoziiert. Eine mediterrane Ernährung mit viel Olivenöl, Hülsenfrüchten und Omega-3-reichen Fischen zeigt in Metaanalysen konsistente entzündungssenkende Effekte (Calder et al., 2017).
Omega-3-Fettsäuren (EPA + DHA) hemmen proinflammatorische Signalwege über mehrere Mechanismen. Studien zeigen Assoziationen mit niedrigeren IL-6- und hsCRP-Werten bei regelmässiger Einnahme – die Effektgrösse variiert je nach Ausgangslage (Calder, 2010).
Einordnung: Was ein erhöhter Wert bedeutet
hsCRP ist nicht spezifisch: Akute Infekte, intensiver Sport oder Verletzungen heben den Wert kurzfristig an. Aussagekräftig ist erst das Muster über mehrere Messungen im klinischen Kontext – ein einzelner Wert reicht nicht. Diese Inhalte sind allgemeine Information und ersetzen keine ärztliche Beratung.
Quellen
- Franceschi C et al. Inflamm-aging: An evolutionary perspective on immunosenescence. Ann N Y Acad Sci. 2000.
- Ferrucci L, Fabbri E. Inflammageing: chronic inflammation in ageing, cardiovascular disease, and frailty. Nat Rev Cardiol. 2018.
- Ridker PM et al. C-Reactive Protein and Other Markers of Inflammation in the Prediction of Cardiovascular Disease in Women. N Engl J Med. 2000.
- Calder PC. Omega-3 fatty acids and inflammatory processes: from molecules to man. Biochem Soc Trans. 2017.